Pro und Kontra: Fenster aus Polen

Die Versuchung ist groß, werben doch die Fensterhersteller aus Polen damit, dass sie uns Fenster mit gleicher Qualität wie deutsche Firmen liefern können.

Mit dem Unterschied, dass sie um einiges günstiger sind. Das ist doch ein Traum für jeden der ein Haus baut. Schließlich muss man sein Geld irgendwie zusammenhalten. Aber lohnt sich das Geschäft? Ich sage “JEIN”.

Warum? Das verrate ich Ihnen gleich.

Beginnen wir mit Pro.

1. Der Preis.
Man fragt sich: wie schaffen die das? Wenn es doch die gleiche Qualität sein soll?! Die Antwort ist: die niedrigeren Lohnkosten und die teilweise nicht vorhandenen Serviceleistungen (diese werden bei Kontra ausführlich erwähnt). Gerade bei den Serviceleistungen muss man aufpassen. Hier lauert bereits eine Kostenfalle. Aber wenn das gut geplant ist, spricht nichts gegen Fenster aus Polen.

Nun zum Kontra.

1. Die Qualität ist schwankend je nach Anbieter. In Deutschland gibt es klare Vorgaben, in Polen ist das nicht so der Fall.

2. Deutsche Firmen leiden. Wem es wichtig ist die Deutsche Wirtschaft am laufen zu halten, der sollte auch in Deutschland, am besten noch regional, seine Fenster kaufen

3. Oft fehlen die Handwerker für den Einbau. Die polnische Firma stellt nur das Produkt für sie her und liefert Ihnen das fertige Produkt. Den Einbau müssen Sie mit örtlichen Handwerkern organisieren selbst organisieren. Und hier beginnt das Problem: viele deutsche Handwerker weigern sich die Ware aus Polen zu verbauen. Grund: die Gewährleistung. Dies wollen aber wenige, gerade wenn die Maße nicht 100% stimmen.

4. Handwerker für den Einbau finden. Wie in Punkt 3 erwähnt, wollen viele örtliche Handwerker mit eingesessenen Firmen den Einbau aus Gewährleistung nicht übernehmen. Da ich vermute, dass die meisten von Ihnen keine professionellen Fenstermonteure sind, werden Sie sich etwas einfallen lassen müssen. Handwerkerportale oder Kleinanzeigen sind dann oft die Lösung. Oder das Problem. Aus eigener Erfahrung liegen die Chancen 50:50 gutes Personal auf diesem Weg zu finden. Die guten unter ihnen sind professionelle Handwerker mit eigenem Meisterbetrieb, Sie suchen auf den Portalen nach Übergangs-Aufträgen oder nutzen Plattformen zur Kundenakquise. Die schlechten sind selbst ernannte Handwerker. Hier haben Sie als Auftraggeber das Problem, dass sie sich auf das verlassen müssen, was der Handwerker ihnen zum Thema Erfahrung im geforderten Bereich sagt. Kann klappen, kann aber auch schiefgehen. Mehr zum Thema Handwerker aus Portalen finden Sie in meinem anderen Beitrag.

5. Aufmaß. Hier sind Sie oft selbst gefragt. Die polnischen Fensterfirmen schicken niemanden zu Ihnen. Sie erwarten, dass Sie ein fertiges Aufmaß einreichen, damit danach gefertigt werden kann. Haben Sie schon mal ein Aufmaß für Fenster gemacht? Hier werden wohl die wenigsten mit ja antworten. Alle, die nein sagen, sollten das auch tunlichst lassen. Sie müssen einen Handwerker bitten, das Aufmaß zu machen. Das kostet auch wieder Geld und Sie müssen hoffen, dass die Maße auch richtig sind. Fehler werden erst beim Einbau auffallen und dann beginnt der Spießrutenlauf mit der Schuldfrage. Bitte rechnen Sie genau: was kostet das professionelle Aufmaß, der professionelle Einbau und die Fenster selbst. Ist das polnische Fenster nun immer noch günstiger? Wenn die Spanne groß genug ist, rechnet es sich. Ist sie aber zu klein, sollten Sie genau überlegen, ob das immernoch vorhandene Risiko es wert ist. Bei einer deutschen Firma haben Sie alles aus einer Hand.

6. Zertifikate und Zulassungen fehlen. Je nachdem wie Sie bauen, benötigen Sie für die Energieeffizienz Nachweise vom Fensterbauer. Die fehlen bei polnischen Fenstern oft und können auch nicht erbracht werden. Bitte unbedingt vorher informieren.

Wie Sie sehen ist die Kontra-Seite viel länger als die Pro-Seite. Das soll allerdings keine Wertung meinerseits sein. Ich mache nur auf kritische Stellen aufmerksam. Wenn aber alle zu bedenkenden Punkte sorgfältig durchdacht sind, spricht eigentlich nichts dagegen.
Als Sachverständiger kann ich Ihnen Empfehlungen für Fachfirmen geben. Nach so vielen Berufsjahren weiß man auf wen man sich verlassen kann und ruhigen Gewissens vermitteln kann. Neben der Empfehlung für zuverlässige Handwerken kümmere ich mich natürlich auch um Ihre Leistungsbeschreibung. Gehe mit Ihnen jeden Punkt durch und zeige Ihnen auf, worauf Sie achten müssen, was geändert werden sollte und leiste vor allem aber auch Übersetzungsarbeit. Die Bausprache ist manchmal wie eine Fremdsprache.

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